Nachlass, Schenkungen und Testamente

Belgier, die ihren Wohnort im Ausland haben, können sich mit Fragen zu den Verfahren in Bezug auf Besitz, Familienrecht immer an die zuständigen Behörden vor Ort wenden.

Belgier, die ihren gewöhnlichen Wohnort in einem Land außerhalb der Europäischen Union haben, können sich an den belgischen konsularischen Vertreter wenden, der für den Konsularbezirk zuständig ist.

 

Der Nachlass

Der Nachlass ist der Übergang des Vermögens (Guthaben und Lasten) eines Verstorbenen an eine oder mehrere lebende Personen. Der Nachlass wird am Wohnsitz des Verstorbenen eröffnet.

  • Die gesetzliche Erbfolge  tritt beim Ableben einer Person ein, wenn kein gültiges Testament vorliegt. In diesem Fall werden die Güter in der im Bürgerlichen Gesetzbuch festgelegten Reihenfolge verteilt.
  • Bei der testamentarischen Erbfolge hat der Verstorbene in einem Testament über einen Teil oder die Gesamtheit seiner Güter verfügt (Einsetzung zum Erben) .
  • Bei der vertraglichen Erbfolge wird der Nachlass durch eine Schenkungsurkunde, die nach dem Tod des Erblassers in Kraft tritt, vergeben (z. B. Klausel im Ehevertrag).


Das Testament

Ein Testament ist eine Urkunde, in der eine Person, der Erblasser, für die Zeit nach seinem Tod über die Gesamtheit oder einen Teil seiner Güter verfügt. Der Erblasser kann sein Testament jederzeit widerrufen.


Die Schenkung

Eine Schenkung ist eine Urkunde, mit der eine Person einer anderen Person ein Gut schenkt.

Die Schenkung unter Lebenden ist eine Schenkung, bei der der Schenker und der Bedachte noch leben. Es handelt sich um einen Vertrag, aufgrund dessen der Schenker das geschenkte Gut unverzüglich und unwiderruflich zum Vorteil des Beschenkten herausgibt, der es annimmt.


Arten von Vermächtnissen

Es gibt drei Arten von Vermächtnissen :

  • das Universalvermächtnis, durch das eine oder mehrere Personen die gesamte Erbschaft erhalten;
  • das Bruchteilsvermächtnis, durch das der Erblasser einen Teil seiner Güter, zum Beispiel ein Drittel davon, alle seine beweglichen oder unbeweglichen Güter, die Hälfte seiner unbeweglichen Güter, usw. vermacht;
  • das Einzelvermächtnis, durch das der Vermächtnisnehmer einen Geldbetrag, ein bestimmtes Gut oder eine bestimmte Kategorie von Gütern erhält, zum Beispiel einen antiken Schrank oder alle Bücher des Verstorbenen.

Das Gesetz teilt bestimmten Erben (Kindern, überlebenden Ehegatten und Verwandten in aufsteigender Linie) einen bestimmten Teil der Erbschaft zu (Pflichtteil). Über den übrigen Teil des Nachlasses darf frei zugunsten von Dritten verfügt werden. Wenn die Vermächtnisse den frei verfügbaren Teil überschreiten, müssen sie eingeschränkt werden.


Das belgische Recht unterscheidet zwischen verschiedenen Arten von Testamenten

  • Das eigenhändige Testament : Dieses Testament ist nur dann gültig, wenn es vollständig mit eigener Hand durch den Erblasser geschrieben, mit Datum versehen und unterschrieben wurde. Es gibt keine weiteren Formvorschriften. Der Erblasser kann das eigenhändige Testament bei einem Notar hinterlegen.
  • Das öffentliche oder authentische Testament ist das Testament, das vor einem Notar in Anwesenheit von zwei Zeugen oder vor zwei Notaren aufgenommen wird.
  • Das internationale Testament, das durch den Vertrag von Washington vom 26.10.1973 eingeführt wurde, ist ein Testament, das durch den Erblasser in Anwesenheit von zwei Urkundenzeugen einem Notar übergeben wird. Das Testament wird durch den Erblasser, den Notar und die zwei Zeugen unterschrieben. Es wird einer Bescheinigung beigelegt, die durch den Notar erstellt wird, der das Testament in Verwahrung nimmt. Ein solches Testament wird empfohlen, wenn es ein internationales Element gibt, entweder seitens des Erblassers, seitens der Erben oder seitens der Güter.


Der Nachlass : Annahme oder Ausschlagung

Jede zum Erben berufene Person - ab intestat oder per Testament - hat drei Möglichkeiten. Sie kann den Nachlass vollumfänglich annehmen. In diesem Fall werden das Vermögen des Erben und das des Verstorbenen vollständig zusammengefügt. Der Erbe ist verpflichtet, die Schulden des Verstorbenen zu begleichen, auch wenn sie die Guthaben des Nachlasses übersteigen.

Die zum Erben berufene Person kann den Nachlass auch mit Recht zur Inventarerrichtung annehmen. Das Vermögen des Verstorbenen bleibt dann von jenem des Erben getrennt. Der Erbe begleicht die Schulden nur in der Höhe der Guthaben des Nachlasses.

Schließlich kann die zum Erben berufene Person den Nachlass ausschlagen. Diese Person erbt dann weder die Guthaben noch die Lasten. Die Annahme mit Recht zur Inventarerrichtung und die Ausschlagung des Nachlasses müssen in einer Erklärung vor der Kanzlei des erstinstanzlichen Gerichts des Ortes hinterlegt werden, an dem der Nachlass des Verstorbenen eröffnet wurde.


Testamentserrichtung im Ausland

Belgier, die ihren gewöhnlichen Wohnort im Ausland haben und ein Testament erstellen möchten, können sich an einen zuständigen lokalen Notar, Beamten oder eine zuständige lokale „Instanz“ wenden. Sie können die Dienste eines belgischen Konsularbeamten mit notarieller Befugnis in Anspruch nehmen, um ein öffentliches oder internationales Testament zu erstellen oder  ein eigenhändiges Testament bei ihm in derselben Form und unter denselben Bedingungen wie in Belgien zu hinterlegen.


Suche nach einem Testament

Das Auffinden eines Testaments : nach dem Tod einer Person ist es möglich, überprüfen zu lassen, ob in Belgien beim Zentralregister der letztwilligen Verfügungen (ZRT) ein Testament auf den Namen des Verstorbenen eingetragen worden ist.


Eröffnung van Nachlässen im Ausland : Rolle der Auslandsvertretungen

Unsere Auslandsvertretungen sind nicht befugt, bei der eigentlichen Abwicklung von Nachlässen aufzutreten oder einen Standpunkt einzunehmen und sie dürfen keine Ratschläge auf dem Gebiet des Erbschaftsanfalls erteilen.

Nur die Erben, die Anspruchsberechtigen oder die in der Sache Bevollmächtigten (Notare, Anwälte, usw.) dürfen Maßnahmen ergreifen, die sie im Hinblick auf eine optimale Vertretung ihrer Interessen für passend/angebracht halten.

Unsere Vertretungen spielen hier eine ergänzende Rolle. Die konsularische Vermittlung darf daher auch nicht über Maßnahmen zur Verwahrung und Verwaltung hinausgehen. Unsere Vertreter können aber ihre Dienste anbieten, um die Kontakte zwischen den Erben und den lokalen Behörden zu erleichtern.