Auswahlverfahren

Die Auswahlprüfung (Concours), die im Auftrag des FÖD Auswärtige Angelegenheiten, Außenhandel und Entwicklungszusammenarbeit vom Föderalamt für die Personalauswahl (SELOR) organisiert wird, stellt die einzige Möglichkeit dar, die Laufbahn des Attachés für internationale Zusammenarbeit einzuschlagen. 

Die Abhaltung solcher Prüfungen, die darauf abzielen, für einen Zeitraum von zwei Jahren Reserven für spätere Einstellungen zu bilden, hängt vom Personalbedarf des FÖD und dessen Haushaltsmitteln ab, was bedeutet, dass solche Auswahlprüfungen nur in unregelmäßigen Abständen organisiert werden: manchmal nach einem Jahr, manchmal nach zwei Jahren und manchmal auch erst nach einem längeren Zeitraum. Bei jedem Auswahlverfahren wird im Voraus festgelegt und im vom SELOR veröffentlichten Aufruf an die Bewerber angekündigt, wie viele Bewerber maximal in die Reserve für spätere Einstellungen aufgenommen werden.

Der folgende Abschnitt soll einen Überblick darüber bieten, wie die oben genannte Auswahlprüfung in den letzten Jahren organisiert wurde.
Ziel dieses Abschnitts ist es demnach, diejenigen, die sich für die Laufbahn des Attachés für internationale Zusammenarbeit interessieren, über die möglichen Modalitäten eines kommenden Auswahlverfahrens zu informieren. Die in diesem Abschnitt gemachten Angaben sind für den FÖD und das SELOR nicht bindend: Einzig die „Prüfungsordnung“, die vom SELOR anlässlich des Aufrufs an die Bewerber auf der Internetseite www.selor.be veröffentlicht wird, enthält gültige Bestimmungen im Hinblick auf die Teilnahmekriterien und den Ablauf der betreffenden Auswahlprüfungen.

Bedingungen zur Teilnahme an der Auswahlprüfung:

  • Der Bewerber muss Inhaber eines Hochschulabschlusses des so genannten "langen Zyklus" (beispielsweise Bachelor + Master, Lizenz, Zivilingenieur, Doktor der Medizin, Pharmazeut, Architekt, Bioingenieur, Wirtschaftsingenieur, Zahnarzt, Tierarzt, Handelsingenieur usw.) sein. Für alle weiteren Fragen in Bezug auf die Gültigkeit von Abschlüssen, insbesondere von Abschlüssen aus dem Ausland oder von in einer Fremdsprache ausgestellten Diplomen, können Sie sich per E-Mail an das SELOR (diplome@selor.be oder ling@selor.be) wenden.
  • Der Bewerber muss mindestens zwei Jahre Berufserfahrung vorweisen können, die er entweder bei der Generalverwaltung der Entwicklungszusammenarbeit (GVEZ), bei der derzeitigen Generaldirektion für Entwicklungszusammenarbeit (GDEZ) des FÖD oder durch Ausübung einer Funktion in einem Entwicklungsland im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit einer Regierung eines OECD- bzw. EU-Mitgliedstaates oder in einer Organisation, die zu den Vereinten Nationen gehört, oder im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit bei einer Nichtregierungsorganisation, die von der belgischen Regierung bzw. der Regierung eines Mitgliedstaates der OECD oder der Europäischen Union oder den Vereinten Nationen anerkannt oder subventioniert wird, erworben hat;
  • Der Bewerber muss am letzten Tag der Anmeldefrist zur Prüfung mindestens das 21. Lebensjahr abgeschlossen haben;
  • Am Tag des Eintritts in den Dienst für Auswärtige Angelegenheiten (das heißt, zu Beginn des zweijährigen Praktikums) muss der erfolgreiche Bewerber die belgische Staatsangehörigkeit besitzen, alle zivilen und politischen Rechte genießen und den Beweis für ein tadellose Lebensführung (Führungszeugnis) erbringen;
  • Es ist unter keinen Umständen möglich, sich mehr als dreimal zum gleichen Auswahlverfahren anzumelden.

Das Auswahlverfahren besteht aus den folgenden Teilen (die Reihenfolge der Prüfungen kann Änderungen unterliegen):

Im Allgemeinen veröffentlicht das SELOR insbesondere auf www.selor.be mindestens drei Wochen vor Ablauf der Anmeldefrist zur Prüfung den Aufruf an die Bewerber.  Die Anmeldung muss online vorgenommen werden, wobei das SELOR die Bewerber ersucht, der Online-Bewerbung gescannte Kopien des wichtigsten Diploms und, als Nachweis für die geforderte Berufserfahrung, der Arbeitszeugnisse beizufügen.

  • Bei den letzten Aufrufen wurde keine Vorauswahl vorgenommen, jedoch könnte beim nächsten Aufruf abhängig von der Zahl der Bewerber eine solche Vorauswahl organisiert werden;
  • Die erste Prüfung besteht aus einem redaktionellen, handschriftlichen Test: Der Bewerber hat etwa zwanzig Minuten Zeit, um einen 6 bis 8-seitigen Text zu einem Thema im Bereich der internationalen Zusammenarbeit durchzulesen. Er darf sich dabei keine Notizen machen. Anschließend muss er schriftlich eine Synthese des Texts sowie einen persönlichen Kommentar erarbeiten;
  • Die erfolgreichen Teilnehmer an diesem Test müssen danach eine Sprachprüfung ablegen, die aus mehreren Teilen besteht: eine Prüfung zur Feststellung der Kenntnisse in der zweiten Amtssprache (allgemeinsprachliche Kenntnisse entsprechend Artikel 14, Niveau A, der Sprachgesetzgebung) sowie eine mündliche und schriftliche Prüfung zur Feststellung ausreichender Kenntnisse des Englischen oder des Spanischen (nach Wahl des Kandidaten). Diese Prüfungen sind sehr anspruchsvoll, da sie von den Bewerbern solide Sprachkenntnisse in den beiden Amtssprachen, zum Beispiel ein nahezu perfektes Leseverständnis und ein problemloses Verständnis von Presseartikeln, die Fertigkeit, Gespräche über allgemeine Themen zu führen, und ein hohes schriftliches Niveau für die Abfassung von Berichten oder administrativen Schreiben, voraussetzen. Auf der Internetseite des SELOR können Sie sich über das Niveau, das in der zweiten Amtssprache verlangt wird, informieren;

Die erfolgreichen Teilnehmer an der Sprachprüfung müssen sich anschließend einer Persönlichkeitsanalyse unterziehen, die aus zwei Teilen besteht:

  • zunächst werden mithilfe eines elektronischen Profiltests die beruflichen Qualifikationen sowie die Kontaktfähigkeiten bewertet. Diese Daten dienen als Grundlage für den mündlichen Teil;
  • bei einem anschließenden Vorstellungsgespräch werden die Motivation und das Verhalten der Bewerber, ihr Interesse für andere Kulturen, ihr Verhandlungsgeschick, ihre Fähigkeit, sich einem sich verändernden beruflichen Umfeld anzupassen, sowie ihre Fähigkeit, zusammenzuarbeiten, Beschlüsse zu fassen sowie ein Team zusammenzustellen und zu leiten, bewertet;
  • Die Bewerber, die auch diese Prüfungen bestanden haben, werden zu einer abschließenden mündlichen Prüfung eingeladen, die aus einem Gespräch bzw. einer Debatte vor einer 4- oder 5-köpfigen Jury besteht und bei der die fachlichen Kompetenzen der Bewerber im Bereich Entwicklungszusammenarbeit sowie deren Fähigkeit, Zusammenhänge aus verschiedenen Bereichen zu erkennen, bewertet werden. Den Bewerbern werden unter anderem Fragen zu den folgenden Themen gestellt. Die Auflistung dieser neun Themenbereiche dient nur als

Beispiel und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Die wichtigsten politischen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme auf internationaler Ebene in den letzten Jahren, ihre Ursache und ihr Kontext;
  • Die Rolle und Handlungsweise der internationalen Institutionen in einer Welt, die durch eine im schnellen Wandel begriffenen Globalisierungsphase gekennzeichnet ist;
  • Die Entwicklung der Paradigmen der internationalen Entwicklungshilfe und der humanitären Hilfe im Kontext der Milleniumsentwicklungsziele, der Erklärung von  Paris über die Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit, der Verpflichtungen von Monterrey, der Reform der handlungsfähigen Agenturen der Vereinten Nationen und der großen Weltkonferenzen zu den verschiedenen Aspekten der wirtschaftlichen, sozialen und humanitären Entwicklung;
  • Die wichtigsten Herausforderungen des Planeten in den Bereichen nachhaltige Entwicklung, Lebensmittelsicherheit, Energienutzung, Gesundheit, Klima und Umweltschutz;
  • Die aktuellen wirtschaftlichen, finanziellen und kommerziellen Tendenzen, die Entwicklung der internationalen Wirtschaftsmechanismen und deren Einfluss auf die wirtschaftliche und humanitäre Lage der Bevölkerungen der ärmsten Länder;
  • Migrationsfragen sowie Fragen zur Sicherheit im weiteren Sinne und zur Bekämpfung der wichtigsten Formen der Gewalt in der Welt, darunter Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Waffenschmuggel und Terrorismus;
  • Regionale Konflikte, in die Entwicklungsländer verwickelt sind, sowie Integrations-, Befriedungs- und Aussöhnungsbemühungen auf regionaler oder kontinentaler Ebene;
  • Die Entwicklungspolitik der Europäischen Union, Kanäle und Mechanismen der Entwicklungshilfe der EU-Institutionen und damit verbundene Prozesse;
  • Aktionen und Positionen Belgiens in der Europäischen Union und auf Weltebene in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe sowie Kanäle und Mechanismen zur Umsetzung der belgischen öffentlichen Entwicklungshilfe.

Von den Bewerbern wird eine Analyse- und Synthesefähigkeit sowie die Fähigkeit, politische, wirtschaftliche und soziale Situationen richtig einzuschätzen, erwartet. Nur wenn die Bewerber neben Kommunikationsfertigkeiten, einem kritischen Scharfsinn und Teamgeist über diese Kompetenzen verfügen, sind sie in der Lage, sachgerechte Berichte zu erstellen und konstruktive Vorschläge zu erarbeiten.

Das Leben im Ausland erfordert auch eine weitgehende psychologische Anpassungsfähigkeit (Kulturwechsel und ein neues soziales Umfeld). Die Überwachung und Kontrolle der Umsetzung der Entwicklungsmaßnahmen führt daneben häufige Dienstreisen vor Ort mit sich, um den Kontakt mit den nutznießenden Bevölkerungen aufrechtzuerhalten. Diese Aufgaben müssen bisweilen unter sehr schwierigen Bedingungen durchgeführt werden, da die klimatischen Verhältnisse unangenehm und die Reisen anstrengend sein können. Aus diesem Grund ist eine gute körperliche Verfassung erforderlich.